Cinedolcevita: Filmkultur für Senioren

Seit 2004 gibt es cinedolcevita, heute an 17 Orten: Filmveranstaltungen, die speziell auf ältere Menschen zugeschnitten sind. Eine Einrichtung, der man vertrauen kann, die man nutzen soll.

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«Reise der Hoffnung», 7. Februar 2017, Zürich

«Man geht nicht bloss ins Kino, um sich Filme anzusehen. Man geht vielmehr ins Kino, um mit zweihundert Menschen zu lachen und zu weinen.» Dieser Satz des amerikanischen Zukunftsforschers John Naisbitt bildet den ideellen Hintergrund von cinedolcevita.ch.

Seniorinnen und Senioren im Kino, das war einmal eine Seltenheit. Heute nicht mehr. Die Zahl der über 50-jährigen Kinogängerinnen und Kinogänger stieg in der Schweiz von 1999 bis 2005, nach Mach-Basic Daten von Cinecom, auf 43 Prozent. Deshalb erfreut sich auch eine speziell für dieses Publikumssegment entwickelte Einrichtung wie cinedolcevita von Jahr zu Jahr grösserer Beliebtheit. Im Schnitt sind es pro Vorführung ihrer Filme zwischen 80 und 100 Personen. Denn ältere Menschen haben heute mehr denn je das Bedürfnis und die Möglichkeit, auszugehen und etwas zu erleben, sich am Kulturleben zu beteiligen, Menschen zu treffen und sich mit ihnen auszutauschen. cinedolcevita geht genau auf diese Bedürfnisse ein.

Bei cinedolcevita werden qualitativ hochstehende Spiel- und Dokumentarfilme in Originalsprache gezeigt. Man sorgt bei der Kinoauswahl für gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln. In den Sälen werden gute Lichtverhältnisse und angepasste Lautstärke angestrebt. An einzelnen Orten gibt es ein persönliche Begrüssung, an andern wird anschliessend Gelegenheit zu Kaffee und Kuchen geboten. Während der Aufführungen gibt es kein Popcorn-Geraschel und keine piepsenden Mobiltelefone. Die Filme bietet Gelegenheit, Bekannte oder Fremde für einen kurzen Schwatz oder ein Filmgespräch zu treffen.

Die Programme von cinedolcevita verdienen unser Vertrauen, nicht unwichtig bei der heutigen Medienberichterstattung in den Gratisblättern und der Werbeflut der US-Majors. Bei cinedolcevita versuchen verantwortungsbewusste Kinokennerinnen und Kinokenner ein Programm zusammenzustellen, das ältere Menschen interessiert, ihnen gefällt und sie unterhält. Hier wird der Film noch wirklich als ein Kommunikationsmittel verstanden.

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«Sagrada» 11. April 2017, Bern

Eine 12-jährige Erfolgsgeschichte

Im Frühjahr 2008 startete, initiiert von Eva Furrer-Haller, mit Unterstützung von Pro Senectute Biel Seeland, im Kino Apollo in Biel das erste cinedolcevita-Programm. Unbürokratisch stellte die Stiftung dafür einen Beitrag zur Verfügung. Am 3. Juni wurde der Verein cinedolcevita mit dem Ziel gegründet, weitere solche Filmvorführungen für ein älteres Publikum zu programmieren. Die Initiantin und bis 1917 Präsidentin des Vereins arbeitete anschliessend intensiv an der Verbreitung der Idee in der ganzen Schweiz. Auf ihren Wunsch und durch Vereinsbeschluss wurde der Verein cinedolcevita per 31. August 2016 aufgelöst. Die lokalen Veranstalter führen weiterhin eigenständig Vorführungen unter diesem Label durch. Das Vereinsvermögen wird in den Relaunch der Homepage cinedolcevita.ch investiert, um damit weiterhin die Programme der lokalen Veranstalter abrufen zu können. Auch in der welschen Schweiz läuft cinedolcevita.ch zum Teil sehr gut.

Heute gibt es cinedolcevita.ch an folgenden 17 Orten:
Aubonne
Bern
Biel
Delémont
Echallens
Fribourg
Gland
Glarus
La-Chaux-de-Fonds
Luzern
Neuchâtel
Nyon
Pully
Solothurn
Thun
Uster
Zürich

Um sich über das aktuelle cinedolcevita-Angebot zu informieren, geht man im Internet auf cinedolcevita.ch. Wer sich eine Übersicht über alle bisher gezeigten Filme verschaffen will, erhält diese im Archiv. Hut ab vor diesem anspruchsvollen, im besten Sinn des Wortes, unterhaltsamen Programm. Es verdient neue Besucherinnen und Besucher – und weitere Ableger an neuen Orten.

Das Schweizer Label «Kultur inklusiv» setzt sich nachhaltig für eine inklusive Kultur ein, d. h. eine Kultur, die ohne Hindernisse für alle Interessierten erreichbar ist. Sie steht für einen möglichst hindernisfreien Zugang zu den Angeboten und für die kulturelle Teilhabe aller, auch der Menschen mit Behinderungen. Dieses Label hat cinedolcevita.ch im Kanton Bern und Solothurn bekommen.

Weitere Auskünfte gibt es weiterhin von der Gründerin: eva.furrer@bluewin.ch oder info@cinedolcevita.ch

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«Médecin de Campagne», 27. März 2017, Glarus