Die Farben des andern Films

1986 wurde der Förderverein trigon-film gegründet. Damit startete ein Projekt, das zu einer international anerkannten Institution wurde, die herausragende Filme aus Afrika, Asien, Lateinamerika und dem östlichen Europa fördert.
Die Farben des andern Films

1986 wurde der Förderverein trigon-film gegründet. Damit startete ein Projekt, das zu einer international anerkannten Institution wurde, die herausragende Filme aus Afrika, Asien, Lateinamerika und dem östlichen Europa fördert.

Zu seinem 30-Jahr-Jubiläum hat der Verein eine kleine, aber feine Publikation herausgegeben: «Farben der Welt. Gedanken von Filmschaffenden zu ihrer Kunst». Die Publikation lässt Filmschaffende in Zitaten zu Wort kommen und illustriert diese mit Bildern ihrer Filme. Entstanden ist ein Lese- und Schaubuch zum andern Filmschaffen. Mehr als 500 Filme aus 84 Ländern sind seit 1986 dank trigon-film in die Kinos unseres Landes gekommen. Eine weltweit einzigartige Sammlung! Bilder aus 92 Filmen geben im Buch Einblick in eine farbenfrohe Filmkollektion. Die Worte der Regisseurinnen und Regisseure lassen uns in eine fremde Welt eintauchen, uns an spezielle Momente des Lebens denken und an magische Kinoerlebnisse erinnern. «Farben der Welt»: ein sinnvolles Geschenk für Filmliebhaber.

corn 00 

«Corn Island» von George Ovashvili

Türöffner in die Welt des andern Kinos

Der handliche Band erweist sich als informativer Wegweiser und sympathischer Türöffner in die Welt des andern Kinos mit Filmen, die nicht wie die Blockbuster Hollywoods vor allem für Geld gedreht werden, sondern für eine menschliche Botschaft. Unabhängig davon, dass die Texte von Künstlern konkreter Filme stammen, umreisst die interessante Sammlung von Zitaten und Filmbildern als Ganzes in poetischer Weise das Universum von Filmen, für die es sich lohnt, Lebenszeit zu verwenden.

serpiente 05 

«El abrazo de la serpiente» von Ciro Guerra

Schon nach den ersten Seiten ...

Hier die ersten der 92 Texte: «Das Einzige, woran man nicht denken darf, wenn man einen Film macht, ist, dass er allen gefallen soll. Dann beginnt man, Konzessionen zu machen und betrügt sich und die anderen.» Ein Zitat des Kubaners Fernando Pérez, das staunen lässt, welch eine Welt doch zwischen der Filmarbeit dieses Autors und den alltäglichen TV-Produktionen liegt.

Tsai Ming-liang aus Malaysia/Taiwan: «Ich fühle mich als glücklicher und verwöhnter Mensch, weil ich immer Antworten suchen kann auf Fragen, die sich mir im Leben stellen, indem ich einen Film mache, auch wenn ich häufig keine Antwort finde, nur neue Fragen.» Wie selbstverständlich und radikal versteht doch hier ein Künstler seinen Auftrag!

«Die brutalen Konsequenzen des Hungers werden die Bilder des Kinos markieren, ob sie es mögen oder nicht, die Herolde einer verdaulichen und schönen Welt, wo die Menschen hübsch, stark und unbesiegbar sind, wo Rosen die Erde begrenzen und effekthascherische Sätze den Krebs zu verstecken suchen, der auf den Lippen der Miss wächst, oder die Kriminalität, die sich auf der Stirn des Diktators abzeichnet.» Das schrieb der Brasilianer Glauber Rocha, der sich damit, mit andern zusammen, klar distanziert vom Kommerzkino.

«Der Kontrast ist für mich das Schlüsselelement der visuellen Identität des Films. Kontraste zwischen Arm und Reich, Leben und Tod, Wirklichkeit und Traum, Freiheit und Gefangenschaft.» Mit diesen Worten bringt Aida Begic aus Bosnien und Herzegowina auf den Punkt, was Kunst als Befreiung und Emanzipation sein kann.

«Das arabische Wort für Kino mochte ich stets lieber als die Wörter in anderen Sprachen. Vielleicht, weil es weiblich ist und sein Nachklang voller Freiheit. Darüber hinaus ist es emotional stärker aufgeladen im Umfeld einer so schönen und musikalischen Sprache, die gleichzeitig auch Tabus und Verbote mit sich trägt.» Was der Marokkaner Faouzi Bensaïdi sagt, lässt verstehen, weshalb viele Frauen heute die Filmkunst zu verändern versuchen.

«Ich erwarte nicht von dir, dass du das verstehst, was ich mit meinen Filmen meine. Ich erwarte von dir, dass du das verstehst, was deine Seele aus diesen Filmen versteht.» Für mich hat der Grieche Theo Angelopoulos, der dies sagte, damit wohl eine der klügsten Aussagen zur Medienrezeption und zur Medienpädagogik gemacht.

little sister 01 

«Our Little Sister» von Hirokazu Kore-eda

... kann man die Lektüre kaum mehr abbrechen

Die Zitate der Filmemacherinnen und Filmemacher reissen einen, von verschiedenen Standorten und mit verschiedenen Zielen, hinein in die Welten des anderen Kinos und anderer Welten. Allein schon der Titel «Farben der Welt» ist typisch für den Zugang zu den Filmen, wie sie trigon-film in der journalistischen Begleitung ihres Angebotes pflegt. Farben haben verschiedene Bedeutungen, ermöglichen verschiedene Wahrnehmungen. Nicht Worte, nicht Theorien, nicht Ideologien sind entscheidend. Für Filmfreunde, die das andere Kino suchen, erweist sich dieser Band als sanfte Hinführung, als freundliche Wegbegleitung.

Farben der Welt. Gedanken von Filmschaffenden zu ihrer Kunst / Couleurs du monde. Pensées de cinéastes sur leur art. Herausgeber: Walter Ruggle. Edition trigon-film, Ennetbaden 2016. 16 x 11.5 cm, 196 Seiten, reich bebildert, Texte deutsch und französisch, broschiert. Preis für Nicht-Mitglieder Fr. 23.-, für Mitglieder gratis.

Auskünfte über trigon-film und dessen Förderverein gibt es unter trigon-film.org