Einladung zu den 53. Solothurner Filmtagen

Vom 25. Januar bis 1. Februar dauern die 53. Solothurner Filmtage: eine Gelegenheit, den Puls zu fühlen beim Schweizer Film, der Schweizer Kultur und wohl auch der ganzen Schweiz.

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Die 53. Solothurner Filmtage 2018 präsentieren in der Werkschau insgesamt 159 kurze und lange Schweizer Filme, darunter 20 Langfilmdebüts und 38 Premieren aus allen Landesteilen. Der «Fokus» widmet sich dem Drehbuch und stellt die Frage nach geeigneten Rahmenbedingungen für Autorinnen und Autoren. Im gesamten Programm finden sich auffallend viele Werke, die mit innovativen Formaten und originellen Perspektiven überraschen.

Die Website www.solothurnerfilmtage.ch liefert alle notwenigen Auskünfte. Dort ein bisschen im Programm schnuppern, macht Appetit, den einen oder andern Film zu sehen oder gleich die ganze Woche in den gebotenen Filmrausch einzutauchen.

Originalität und Innovation

Fernand Melgar eröffnet mit «À l’école des Philosophes» am 25. Januar 2018 die diesjährigen Filmtage in Anwesenheit von Bundespräsident Alain Berset. Der Dokumentarfilm über den Alltag in einer Tagesschule für behinderte Kinder ist für den «Prix de Soleure» nominiert.

Im Wettbewerb stehen sechs weitere Dokumentarfilme, darunter die Doku-Animation «Chris the Swiss» von Anja Kofmel. In ihrem ersten langen Film rollt die Regisseurin die Geschichte ihres Cousins auf, der im Jugoslawienkrieg als Reporter unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen ist. Dieter Fahrer wählt für seine Beobachtungen des Schweizer Mediensystems ebenfalls einen persönlichen Zugang. In «Die Vierte Gewalt» verwebt er eigene Erfahrungen mit den Realitäten einer sich wandelnden, unter Hochdruck stehenden Branche. Luc Schaedler erforscht am Beispiel von fünf chinesischen Kunstschaffenden die Zyklen der autoritären chinesischen Politik und die Rolle der Kunst für die Herausbildung freiheitlichen Denkens in «A Long Way Home». In «Das Leben vor dem Tod» stellt Gregor Frei seinen Vater und dessen Nachbarn vor die letzten Fragen und präsentiert einen ebenso persönlichen wie universellen Erstling. Auch Kaleo La Belle fühlt der eigenen Familie auf den Zahn und berichtet in «Fell in Love with a Girl» von den Chancen und Risiken unorthodoxer Beziehungsexperimente. Karim Sayad taucht in seinem Debüt «Des moutons et des hommes» tief in die Sozialstrukturen eines Quartiers von Algier ein, in dem Status, Männlichkeit und Perspektiven eng an das Halten von Schafböcken gekoppelt sind.

Marcel Gisler bringt in «Mario» ein Tabuthema auf die Leinwand. Sein Spielfilm erzählt von der Karriere eines schwulen Fussballers, der sich verliebt und in einen Zwiespalt gerät. Der zweite Spielfilm im Wettbewerb um den «Prix de Soleure» stammt von Christine Repond. Mit «Vakuum» blickt sie hinter die Fassade einer Ehe, die durch die Diagnose HIV-positiv in ihren Grundfesten erschüttert wird. Die Jury, der dieses Jahr Xavier Koller, Pascale Kramer und Flavia Kleiner angehören, verleiht den Preis am 1. Februar 2018 zum zehnten Mal.

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«Bis ans Ende der Träume» von Wilfried Meichtry

Grussworte der Direktorin Seraina Rohrer

«Ich lasse mich gerne von Filmen überraschen. Das kann eine unerwartete Wendung in einer Geschichte sein, zum Beispiel eine Protagonistin, die vom Menschen zum Fisch mutiert. Oder ein formales Experiment, bei dem sich ein Filmschaffender mit Bildern vor der Bilderflut retten will. Auffällig viele Filme im Programm der 53. Solothurner Filmtage überzeugen durch ihre Originalität. Damit meine ich nicht die Diktatur des dauernd Neuen – Originalität ist oft eine Frage der Perspektive. Filmschaffende richten ihren Blick dorthin, wo sonst viele wegschauen: ins Innere einer Tagesschule für behinderte Kinder, in den Alltag von Redaktionen, in die Kabine eines Fussballclubs, in der sich zwei Stürmer ineinander verlieben.

Originell sind Filmschaffende, die etwas ausprobieren und sich selber immer wieder neu erfinden. Zu ihnen gehört unser Ehrengast der «Rencontre», Christoph Schaub. Er begann als politischer Rebell, entwickelte sich zum feinsinnigen Erzähler und Dokumentaristen berühmter Architekten. Innovativ auf allen Ebenen war in den1920er-Jahren auch der Tüftler Jacques Boolsky, der Erfinder der 16-mm-Bolex-Kamera. Günstig und leicht zu bedienen, wurde die Kompaktkamera aus der Romandie zum gefragten Begleiter für Amateure und Profis. Mit «Bolex: Eine Schweizer Kamera von Weltformat» widmen wir unser historisches Programm dieser technischen Innovation.

Wie eine Geschichte erzählt wird, ist entscheidend dafür, ob uns ein Film packt. Das Spezialprogramm Fokus «Hauptsache Drehbuch!» präsentiert internationale Filme, die besonders gut geschrieben sind. Gleichzeitig fragen wir nach: Welche Rahmenbedingungen braucht es, damit sich Drehbuchautorinnen und -autoren kreativ entfalten können?

Damit die Solothurner Filmtage Jahr für Jahr ein originelles Programm bieten können, braucht es ein starkes Team und verlässliche Partnerinnen und Partner. Beiden danke ich für die grosszügige Unterstützung und ihren grossartigen Einsatz. Und jetzt schauen Sie genau hin, wie ideenreich sich das Schweizer Filmschaffen 2018 präsentiert.»

Pressefoto DAS ERSTE UND DAS LETZTE 7 
«Das Erste und das Letzte» von Kaspar Kasics

Rückblicke als Einladung

Eigentlich muss ich mich jedes Jahr wiederholen: Gehen Sie hin, schauen Sie, setzen Sie sich den Filmen aus! Zu früheren Filmtagen schrieb ich: «Ein Fest des Schweizer Films!», «Eine Fülle neuer Schweizer Filme, dieses Jahr aber auch zahlreiche alte», «Ein alljährliches Eldorado des Schweizer Films», «Vorschau auf ein Fest des Schweizer Films», «Wer komprimiert erleben will, wo der Schweizer Film – und ansatzweise die heutige Welt – steht, dem sei ein Besuch der Solothurner Filmtage empfohlen».

Solothurner Filme auf der Website der-andere-film.ch

Die folgenden Filme, die in Solothurn gezeigt werden, wurden bereits oder werden in den nächsten Wochen auf der-andere-film.ch besprochen, so: «Bis ans Ende der Träume», «Die letzte Pointe», «Das Erste und das Letzte», «Das Kongo Tribunal», «Glow», «Giulias Verschwinden», «Sternenberg» und «Die vierte Gewalt». Und für ca. ebenso viele Filme werden im Lauf des Jahres, beim Kinostart, hier Besprechungen folgen.