Engagiert! Aber wie?

Drei Antworten

«Témoin indésirable» – Engagiert bis zur Resignation

Mitten im humanitären Drama in Kolumbien setzt ein Journalist alles daran, in seiner wöchentlichen Fernsehsendung  «Contravia», der einzigen Sendung dieser Art in der Flut von Telenovelas, die Barbarei in seinem Land zu zeigen und anzuklagen. Diese Reportagen haben dem TV-Mann Hollman Morris internatioale Anerkennung, aber auch Morddrohungen eingebracht. In der immer feindseligeren Atmosphäre fragen Morris und seine Frau sich, ob sie nicht besser das Land verlassen sollten. Der Dokumentarfilm des schweizerisch-columbianischen Juan José Lozano ist das kompromisslose Porträt einer vielschichtigen Persönlichkeit und gleichzeitig ein grundsätzlicher Diskurs über das Engagiert-Sein.

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Der Protagonist erhält eine tragische Dimension: Aus politischer Überzeugung und journalistischem Ethos engagiert er sich für sein Land, er schafft Gegenöffentlichkeit. Doch indem er es tut, setzt er sein Leben und das Leben seiner Familie aufs Spiel und wird privat schuldig. Wie aber soll er handeln? Diese Frage quält ihn und zwingt ihn auszuwandern. Als Zeichen der Regignation? Eine Situation, die wohl Sozialarbeitetende, wenn sie sich für einen Menschen oder eine Sache engagieren, auch schon erlebt oder erlitten haben.

> www.xenixfilm.ch. Im Kino, DVD noch ausstehend

«Milk» – Engagiert bis zur Ermordung

Harvey Milk (ein grossartiger Sean Penn) und sein Partner haben vom Leben in New York die Nase voll und suchen ihr Glück im Westen. Im Arbeiterviertel von San Francisco eröffnen sie einen kleinen Fotoladen, der bald zum Treffpunkt wird für Begegnung und Informationsaustausch. Dort entdeckt er auch seine Fähigkeiten für die Politik. Seine Anliegen sind die Interessen der kleinen Leute im Quartier und vor allem der schwulen Community. 1977 schafft er den Einzug ins Stadtparlament. Kaum im Amt, stösst er eine Vielzahl politischer Initiativen an, womit er sich nicht nur Freunde macht. Einer seiner Gegner entpuppt sich schliesslich als sein Todfeind. Sein Mut rettet zwar Leben, doch nicht sein eigenes. Gus Van Sant schuf mit diesem Spielfilm ein Dokument der 70er Jahre aus einer wenig bekannten Perspektive.

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Gelegentlich wird ein Politiker, der sich engagiert, umgebracht. Das ist auch schon Lehrern und Sozialarbeitern geschehen. Mord als Extremfall, doch Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter können gemobbt werden, bis ihnen nur Burn Out, eine andere Krankheit oder der Selbstmord bleibt. Ist hier etwas schief gelaufen? Wo hätte man eine Grenze ziehen müssen? Wann wäre Hilfe nötig gewesen?

> www.ascot-elite.ch. Im Kino und als DVD

«Un barrage contre le Pacifique» – Engagement: offen, vieldeutig, universell

Indochina, 1931. Im Golf von Siam, am Rand des Pazifischen Ozeans, lebt eine Mutter (Isabelle Huppert als moderne Mutter Courage) mit ihren Kindern, dem 20-jährigen Joseph und der 16-jährigen Suzanne. Die Mutter sieht sie aufwachsen und weiss, dass sie in absehbarer Zeit sterben wird. Müde von der kolonialen Administration und krank investiert sie all ihr Erspartes in ein Grundstück, das jedoch regelmässig überflutet wird, nicht bebaubar ist. Sie kämpft gegen die korrupte Bürokratie und steckt alle Energie, wider jede Hoffnung, in das Projekt. Mit Hilfe der Bauern des Dorfes errichtet sie einen Damm gegen den Ozean. Der Spielfilm von Rithy Panh, nach dem gleichnamigen Roman (deutsch «Heisse Küste») von Marguerite Duras, beantwortet die Frage nach dem Engagement nicht eindeutig, sondern, wie alle grosse Kunst, vieldeutig und offen.

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Er endet nicht im Entweder oder, sondern im Sowohl als auch und erhält so universelle Dimension. In dieser Welt des Kolonialismus, vor dem Hintergrund des Terrorregimes der Roten Khmer, wo die Würde der Menschen mit Füssen getreten wurde, geht es um die Rückgabe der Menschenwürde. Wer die Praxis der Sozialen Arbeit hinterfragt, kommt sicherlich oft zu einer solchen Antwort.

> www.trigon-film.org: im Kino und ab Dezember als DVD