Filme, die das Alter deuten

Zwischen 1979 und 2015 wurde aus einer Vision ein Projekt und schliesslich ein Werk mit Zukunftspotenzial: Filme, die das Alter deuten.

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«Vaters Garten – die Liebe meiner Eltern» von Peter Liechti

Von 1979 bis 1999 beschäftigte sich die AV-Medienstelle von Pro Senectute Schweiz mit dem Thema «Filme und Alter». Etwa 2010 begann Seniorweb mit der Publikation von Filmbesprechungen zum gleichen Thema. Ab 2011 erschienen diese Besprechungen auch auf der Website der Bibliothek von Pro Senectute, ab 2012 wuchs diese Datenbank systematisch. Aktuell enthält sie 714 Besprechungen und ebenso viele DVDs zum Ausleihen. Europaweit einmalig!

Filme, Fernseh- und Radiosendungen, CDs und DVDs sind Mittel der Kommunikation: zur Unterhaltung, Information und Bildung. Sie können ein Thema präsentieren, in Lerninhalte einführen, Diskussionen auslösen oder zu einem Tun anregen: in der Schule, der Jugendarbeit oder der Erwachsenenbildung – und der Altersarbeit.

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«Usfahrt Oerlike» von Paul Riniker

Gestartet in der AV-Medienstelle von Pro Senectute Schweiz

Die AV-Medienstelle, die 1979 bei Pro Senectute Schweiz eröffnet wurde, hatte das Anliegen, Medien in der Altersarbeit als Informationsquelle und als Bildungsmedium zu verwenden. Aufgegriffen und durchgeführt, den technischen Entwicklungen angepasst und weiter entwickelt wurde hier eine visionäre Idee, lange bevor andere Institutionen Ähnliches versuchten. In der Rückschau darf dies wohl als Pionierleistung gewertet werden, womit der damalige Zentralsekretär Dr. Ulrich Braun dem Schreibenden erlaubte, die Vision schrittweise in die Tat umzusetzen.

Als Erstes galt es, sich Übersicht zu verschaffen über die in der Schweiz vorhanden Medien zum Thema Alter: 16mm-Filme, Radio- und Fernsehsendungen sowie freie Produktionen. Alle paar Jahre gab die Medienstelle einen Katalog mit den Besprechungen der verfügbaren Filme heraus. Regelmässig fanden an verschiedenen Orten Visionierungen neuer Filme statt, gab es Kurse in Mediendidaktik und wurde individuelle Beratung vor Ort möglich. Man begann, Fernseh- und Radiosendungen aufzunehmen, zu katalogisieren und unter der Hand auszuleihen. Allmählich wurde diese Arbeit schweizweit bekannt und genutzt.

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«La tête en friche» von Jean Becker

Weiterentwickelt durch Seniorweb

1998 wurde die Schweizer Internetplattform www.seniorweb.ch gegründet und als modernes soziales Netzwerk aufgeschaltet. Sie wird als Non-Profit-Organisation für die Generation 50plus von Seniorinnen und Senioren on-line und off-line in Freiwilligenarbeit betrieben. Träger waren EURAG, Kultur-Prozent von Migros und Pro Senectute, entwickelt wurde es mit zwei Kolleginnen zusammen vom ehemaligen Stelleninhaber der AV-Medienstelle. 2010 erschien auf deren Website der der Beitrag «100 Filmen zum Thema Alter» mit Besprechungen von Filmen, die in den Kinos gezeigt wurden, verfasst von mir, der ich zwischenzeitlich auch Mitarbeiter von Seniorweb wurde. Diese Datei wurde mehrmals aktualisiert und erweitert. Damit bekam der Film auch im Seniorweb seinen ihm zustehenden Platz im Bereich Kultur des Magazins: Filme, die explizit das Alter thematisieren, aber auch Filme, die dem älteren Kinopublikum etwas bieten. Die Besprechungen wurden zum Teil aus meiner Website www.der-andere-film.ch übernommen. Die Sammlung wuchs, bald waren es 200, dann 250 Titel. Sie wurde zu einem repräsentativen Dokument, das bewusst macht, wie Filme Abbilder, aber auch Vorbilder und im Idealfall Sinnbilder des Lebens, also auch des Alters sein können. Also: Filme, die das Leben deuten!

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«La petite chambre» von Stéphanie Chuat und Véronique Reymond

Vollendet in der Bibliothek von Pro Senectute Schweiz

Ein Teil der im Seniorweb besprochenen Filme stand bereits als DVD in der Bibliothek von Pro Senectute. Die Bibliothek sammelte alle DVDs von Filmen mit Altersthemen, die auf dem Markt waren, und versah sie mit Besprechungen. Die Filme in der Bibliothek und die Besprechungen bildeten nun den Grundbestand. Aktuelle Kinofilme fehlten und fehlen noch heute. Doch verkürzt sich die Zeit von der Kinoauswertung bis zur DVD-Auswertung der Filme von Jahr zu Jahr. Auf die Filme des aktuellen Kinoprogrammes verwies die Website von Seniorweb. Bald einmal war in der Bibliothek von Pro Senectute Schweiz mit ihren DVDs und ihrer Datenbank die umfassendste uns bekannteste Zusammenstellung von Filmen zum Thema Alter.

Aktuell (1. Februar 2015) umfassen Bibliothek und Datenbank 363 deutsch-sprachige Filme, davon 191 Spielfilme, 141 Dokumentarfilme, 21 Kurzfilme und 44 Lehrfilme. Das französisch-sprachige Angebot umfasst 409 Titel, davon 193 Fiction, 138 Documentaire, 48 Court métrage und 30 Film didactique. 2014 wurden 147 Filme entliehen, pro Ausleih mit durchschnittlich 2,6 Medien. Die Titel sind unter folgenden 28 Schlagworten zu finden:

Altersbilder/Alter: 61 Titel Arbeit/Pensionierung: 50 Titel Erinnerung/Aktivierung: 56 Titel Generationenbeziehung: 117 Titel Gesundheit/Sport/Prävention: 38 Titel Krankheit/Demenz: 92 Titel Lebensgestaltung/Freizeit: 76 Titel Pflege: 50 Titel Pro Senectute: 139 Titel Soziale Beziehungen/Partnerschaft: 130 Titel Soziales/Migration: 133 Titel Tod/Abschied: 80 Titel Unterhaltung: 32 Titel Wohnen/Heim/Umwelt: 58 Titel

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«Giulias Verschwinden» von Christoph Schaub

Zusatzinfos

Sucht jemand für die Kinoaufführung eines Films den Verleih oder für den Kauf einer DVD für private Zwecke die Firma, sind bei folgenden Adressen Auskünfte erhältlich: für Kinofilme bei www.procinema.ch, www.der-andere-film.ch; für DVDs über www.google.ch (Titel und DVD eintippen) oder für Beratung www.pro-senectute.ch/fachwissen/bibliothek. Empfehlenswerte Filme des aktuellen Kinoangebots, die auch ältere Menschen interessieren könnten, werden auf der Website www.seniorweb.ch vorgestellt, welche die Besprechungen von www.der-andere-film.ch übernimmt.

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«Liebe&Zufall» von Fredi M. Murer

Eine Vision wurde Wirklichkeit

Die heutige Sammlung umfasst Filme aus der Zeit von 1924 bis heute. Diese werden in den Besprechungen kurz vorgestellt und nach ihren Aussagen über das Alter befragt. Es sind fictionale und non-fictionale Geschichten, die das Alter deuten, sie laden ein, auf die impliziten Fragen zu Altersthemen Antworten zu suchen. Die Zusammenstellung ist nicht vollständig, wenn dies auch im Rahmen der beschränkten Mitteln angestrebt wird. Ergänzungen von Leserinnen und Lesern sind jederzeit willkommen. Persönlich darf ich als Pensionierter geniessen, was nur selten Senioren und Seniorinnen zuteilwird: Ich erlebe, dass meine Vision heute Wirklichkeit ist. Dafür danke ich allen, die daran mitgewirkt haben.

Hier der Zugang zur Filmdokumentation «Filme, die das Alter deuten».