Jugendgewalt

- im Film erlebt und zur Deutung vorgelegt

«Bashkim» – Gewalt aus der Sprachlosigkeit

Über zwei Jahre begleitete der in der Schweiz lebende Filmemacher Vadim Jendreyko den Kosovo-Albaner Bashkim Berisha, der mit 17 bereits Schweizer Meister im Thai-Boxen war. Er wird gezeigt inmitten seiner Familie in Winterthur, beim Training, im Gefängnis und auf der Suche nach seinen Wurzeln in der Heimat seiner Eltern. Er wuchs mit seiner Mutter auf und zog 1992 in die Schweiz zum Vater, der dort als Gastarbeiter lebt. Bashkim hatte Probleme in der Schule, wurde straffällig und die Kontakte mit der Justiz häuften sich. – Die Akte «Bashkim Berisha» ist noch nicht geschlossen; er soll, so eine aktuelle Zeitungsinformation, nach seiner Flucht in den Kosowo von der Uno-Übergangsverwaltung an die Schweiz ausgeliefert werden.

Wer ist dieser Junge? Wie wurde er, was er war? Warum wurde Gewalt zu seiner Sprache? Solche Fragen stellt der berührende Dokumentarfilm, der vorurteilslos die verschiedenen Seiten dieses Jungen zeigt.

«Elephant» – Gewalt aus Leere und Sinnlosigkeit

Der Amerikaner Gus Van Sant wendet sich dem Alltag amerikanischer Jugendlicher zu, indem er die Ereignisse rund um das Highschool-Massaker von Columbine zeigt, so wie es sich hätte zugetragen haben können. Aus verschiedenen Perspektiven schildert er in fiktiven Szenen die Gewalteskalation. Er beschreibt das Schulareal und die Jugendlichen, die sich darin wie in einem Spital oder Leichenschauhaus bewegen.

Der Film gibt keine Erklärungen. Er macht jedoch den belastenden und frustrierenden  Schulalltag der jungen Menschen sichtbar und stellt Bezüge zu ihrem Leben her. Bei den beiden Tätern werden vor allem ihre soziale Isolierung, ihrer Orientierungs- und Sinnlosigkeit und ihre Leere sichtbar.

«Rosetta» – Gewalt aus dem sozialen Elend

Porträt eines jungen Mädchens, das mit seiner alkoholsüchtigen Mutter am Rande einer belgischen Stadt auf einem Campingplatz haust und verbissen darum kämpft, einer geregelten Arbeit nachzugehen und nicht in die Verwahrlosung abzugleiten. Intensive Studie über eine seelische Verhärtung, die zugleich der westlichen Gesellschaft einen Spiegel vorhält. Es gibt nichts, was Rosetta halten könnte: nicht das Leben und nicht ihre Mutter. Aktiviert von der Obsession rennt sie mit fast schon animalischer Energie gegen eine Gesellschaft an, die keinen Platz für sie hat. Sie will «raus aus diesem Loch», «einfach nur einen normalen Alltag leben», wofür sie bereit ist, alles zu tun.

Luc und Jean-Pierre Dardenne thematisieren eine menschliche Misere. Der wie ein Dokumentarfilm daher kommende Spielfilm weist jegliche Schwärmerei, jegliche Romantik zurück, macht betroffen und provoziert zu Antworten.

Weitere Filme zum Thema «Jugendgewalt»

Die nachfolgende Zusammenstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die 40 Filme sind mit Titel, Autor, Land und Jahr vorgestellt.

8 mile, Curtis Hanson, USA 2002
Bashkim, Vadim Jendreyko, D 2001
Benny's Video, Michael Haneke, A 1992
Bowling for Columbine, Michael Moore, USA 2002
Boys don»t cry, Kimberly Peirce, USA 1999
Boyz'n the Hood, John Singleton, USA 1991
Cidade de Deus, Ferando Meirelles, BR 2002
De bruit et du fureur, Jean-Claude Brisseau, F 1988
Do the right thing, Spike Lee, USA 1988
Dôlè – La loterie, Imunga Ivanga, F 2000
Doom, Andrzej Bartkowiak, USA 2005
Elephant, Gus Van Sant, USA 2003
F. est un salaud, Marcel Gisler, CH 1998
Fight club, David Fincher, USA 1999
Funny games, Michael Haneke, A 1997
Garçon stupide, Lionel Baier, CH 2003
Girlfight, Karyn Kusama, USA 2000
Joy ride, Martin Rengel und Joy Ride, CH 2000
Knallhart, Detlev Buck, D 2006
Know what you did last, Jim Gillespie, USA 1997
La haine, Mathieu Kassovitz, F 1994
La Promesse, Jean-Pierre Und Luc Dardenne, L 1996
L'enfant, Jean-Pierre und Luc Dardenne, F 2005
Moritz, lieber Moritz, Hark Bohm, D 1977
My own private Idaho, Gus Van Sant, USA 1990
Natural Born Killers, Oliver Stone, USA 1994