Kino für Senior/innen - Die Filme von Daniel Schmid

Vom 3. bis 15. Juni 2010 zeigt das Kino Xenix in Zürich eine Retrospektive aller Filme und Operninszenierungen des Bündner Regisseurs Daniel Schmid. Sein Gesamtwerk gehört zur Weltkunst des Kinos. Den Seniorinnen und Senioren gefallen vor allem «Il bacio di Tosca», «Hors saison» und «The written face».

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«Hors saison» (Zwischensaison, 1992)

Wenn es Daniel Schmid in Zürich zu flachsinnig wurde, flüchtete er nach Flims ins heimische Hotel, wo er aufgewachsen ist. Und wenn es ihm in der mondänen Gesellschaft des Speisesaals zu eng wurde, flüchtete er hinauf unters Dach des Grandhotels, hinauf in die Dachstube der Fantasie, wo die Spinnen der Erinnerung ihre Netze spinnen. Hinter jeder Tür lauert eine Geschichte, die Treppen führen hinab in die Vergangenheit und hinauf in die Zukunft. Und unten sitzt Dieter Meier am Piano und klimpert seine nostalgischen Lieder. Der Filmemacher spielt hier, wie in all seinen Werken, einen wunderschönen, heiteren und gleichzeitig ernsten Totentanz: für uns, deren «Hochsaison» doch auch ein bisschen vorbei ist.

«Il Bacio di Tosca» (Der Kuss der Tosca, 1984)

Daniel Schmid, der 2006 für viele allzu früh verstorben ist, legt mit seinem Dokumentarfilm über die «Casa di riposo», das Altersheim für ehemalige Künstlerinnen und Künstler der Mailänder Oper, ein berührendes und gleichzeitig tiefsinniges Zeugnis ab, wie Musik auch alte Menschen beflügeln und von vergangener Grösse träumen lassen kann. Die Frauen und Männer in diesem Film machen «auf der Suche nach der verlorenen Zeit» ihre Vergangenheit und ihre Zukunft zur Gegenwart und lassen ihre Zeiten und Erlebnisse als Sänger und Sängerinnen nochmals aufleben, ihre damaligen Erfolge nochmals geniessen. Sie animieren auch uns, dasselbe mit unserer Vergangenheit und unserer Zukunft zu versuchen.

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«The written face» (Das geschriebene Gesicht,1995)

Ein höchst interessanter Dokumentarfilm über den 88-jährigen Kabuki-Darsteller Kazuo Ohno. Noch einmal möchte man mit ihm den «Schwanensee» tanzen, wenn er vor der Skyline von Osaka knöcheltief im Wasser des Vergessens watet, während seine Arme traumverloren seine eigenen Schultern liebkosen und das Gesicht wie ein weisses Leinen- und Leichentuch im Wind der Wehmut flattert: schaurig-schön und herausfordernd fremd. Daniel Schmid taucht mit diesem Werk tief ein in die Welt des Fernen Ostens und zieht uns mit seiner Leidenschaft und Bildgewalt mit. Und wir erleben, dass das Leben eben doch nur ein Spiel ist, ein Spiel, bei dem irgendeinmal einmal der Vorhand fällt.

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Für den Appetit auf noch mehr Daniel Schmid

Als informative und einfühlsame Hinführung zum Gesamtwerk, wenn man mal einige seiner Filme gesehen hat, empfiehlt sich der neue Schweizer Dokumentarfilm «Daniel Schmid. Le chat qui pense» (2010) von Pascal Hofmann und Benny Jaberg, der ebenfalls an der Retrospektive läuft. Wenn dieser den Appetit geweckt hat auf noch mehr Daniel Schmid, dann wagen sich vielleicht mehr Leute auch an seine andern Werke, die sich alle etwas abseits des Mainstreams der Filmwirtschaft bewegen.

Sonderangebot für Mitglieder des Seniorweb

Das Kino Xenix bietet den Premium-Mitgliedern von Seniorweb ein 2:1-Angebot. Mit der Premium-Karte bezahlen die Mitglieder eine Karte (inkl. AHV-Rabatt), die zweite Karte ist gratis. Das detaillierte Programm der beiden Retrospektiven findet sich auf www.xenix.ch, mehr über das Werk von Daniel Schmid auf www.danielschmid-film.com.