Kommunikationsformen

Wie man miteinander umgeht, also kommuniziert, bestimmt, wie es einem persönlich geht, wie es um das Umfeld steht.

Der Dokumentarfilm «Fluchen und flüstern» der Schweizer Frédéric Gonseth und Cathrine Azad schildert vier Jungen eines Heimes während eines Trekkings mit Pferden. Der Spielfilm «Elsa & Fred» des spanisch-argentinische Regisseur Marco Carnevale berichtet von einer späten Liebe. «Free Zone» des israelischen Regisseurs Amos Kitai schildert Befindlichkeiten von Menschen im Nahen Ostens, einer Israelin, einer Araberin und einer Amerikanerin.

«Fluchen und flüstern» – Mit Pferden erziehen

Christopher und Adrian aus der Schweiz, Reis aus dem Kosowo und Shpetjim aus Albanien, alle zwischen 13 und 18, sind wegen Gewaltbereitschaft aus der Schule ausgeschlossen worden und leben im Home-Chez-Nous bei Lausanne. Dort erhalten Minderjährige einen Lebens- und Ausbildungsrahmen. Jährlich einmal bietet das Heim eine Wanderwoche an. Dieses Jahr wird sie, auf Vorschlag der Filmemacher, durch etwas Neues ergänzt. Die Burschen bekommen ein Pferd zur Betreuung und damit Gelegenheit, unter Leitung eines «Flüsterers» zu lernen, mit Pferden zu kommunizieren, sie zu erziehen. Was gibt der Versuch her? Einmal ist es der Zugang, den die «Pferdeflüsterer» bei ihrer Arbeit wählen, der beeindruckt. Geduldig, konsequent und respektvoll tun sie ihre Arbeit und sprechen nicht in ihrer Sprache, sondern in der Sprache der Pferde, also der Sprache der anderen. Weiter lernen wir den Ansatz der Sozialpädagogik kennen: Die beiden Erzieher fragen stets zuerst danach, auf welche Art diese jungen Menschen in ihrer Vergangenheit verwundet, verletzt, beschädigt wurden, und nicht, auf welche Weise sie heute jemanden verwunden, verletzen, beschädigen. Dass die vier Pferde, die auf das Trekking mitkommen, zur «Entsorgung» für den Schlachthof bestimmt waren, macht die Jungen, die mit ihnen eine Woche lang gearbeitet haben, betroffen. Es lässt bei ihnen altbekannte, im Alltag verdrängte Gefühle wieder hochkommen. Denn zur Genüge haben sie erfahren, dass sie selbst ungewollt, ungeliebt, abgeschrieben und zum «Entsorgen» bestimmt waren.

«Elsa & Fred» – Eine späte Liebe erleben

Nach dem Tode seiner Frau zieht der 78-jährige Alfredo in Madrid in ein kleines Apartment. Seine neue Nachbarin ist die exzentrische Argentinierin Elsa. Sie behauptet, 77 Jahre alt zu sein, ist temperamentvoll, von umwerfendem Charme und schwindelt, wo es nur geht: Er ist eher scheu, still, etwas hypochondrisch und hat sein Leben lang das gemacht, was von ihm erwartet wurde. Wie ein Wirbelwind bricht sie in sein Leben ein, entschlossen, die wertvolle Zeit, die ihr noch bleibt, mit ihm zu geniessen. Die beiden verlieben sich. Ob sich auch ihr sehnlichster Wunsch erfüllen wird, wie einst Anita Ekberg Marcello Mastroianni in der Fontana di Trevi umarmte, mit Alfredo dasselbe erleben zu können? Als Elsa ihn nach einem vornehmen Diner anstiftet, die Zeche zu prellen und gemeinsam zu fliehen, fühlen sie sich von der Polizei verfolgt und beinahe erwischt. Da kommt es zum Streit. Er wirft ihr vor, total verrückt zu sein. Sie nennt ihn einen Langweiler, worauf er mit einem Herzanfall reagiert. Elsa bringt Alfredo in die Klinik, doch als sie gehen will, wird sie von ihm zurückgerufen, er bekennt ihr, dass dieser Abend trotz aller Turbulenzen einer der schönsten seines Lebens war. Den Alten zeigt der Film, wie sie jung, den Jungen, wie sie alt werden können, und dass es nie zu spät ist anzufangen, sich das Leben zu erträumen und zu leben. «Die Geburt ist», meint Erich Fromm, «nicht ein augenblickliches Ereignis, sondern ein dauernder Vorgang. Das Ziel des Lebens ist es, ganz geboren zu werden, und seine Tragödie, dass die meisten von uns sterben, bevor sie ganz geboren sind. Zu leben bedeutet, jede Minute geboren zu werden». Von einer solchen Geburt im hohen Alter erzählen uns Elsa und Alfredo.

«Free Zone» – Palaver dreier Frauen

Rebecca, eine junge Amerikanerin, lebt seit einigen Monaten in Jerusalem und hat gerade ihren Verlobten verlassen. Sie steigt ins Taxi von Hanna, einer Israelin, um irgendwohin gefahren zu werden. Weil die Taxifahrerin eine Reise in die «Free Zone» an der Grenze zwischen Jordanien und dem Irak geplant hat, um eine geschäftliche Angelegenheit zu regeln, nimmt sie Rebecca mit. Angekommen in der Steuer- und Zolloase, eröffnet ihr Leila, eine Palästinenserin, dass der gesuchte Geschäftspartner nicht da sei und deshalb die geschuldeten 30 000 Dollar nicht übergeben werden können. Damit will sie sich nicht zufrieden geben. Aber sie weiss, dass sie Rebecca nicht in Gefahr bringen darf. Eigentlich ist die Geschichte nur der Aufhänger, um in einigen Symbolbildern Botschaften über die Befindlichkeit des Lebens in dieser Region zu zeigen. Der Film beginnt mit einer neunminutigen Naheinstellung von Rebeccas Gesicht, in einem Auto sitzend, weinend, heulend und schluchzend, aus dem Hintergrund dringen bei geöffnetem Fenster Stadtgeräusche von Jerusalem und Bilder der Klagemauer. Dazu hören wir ein hebräisches Volkslied, das die Situation im Nahen Osten beschreibt. – Ebenso beeindrucken die drei Frauen, wie sie auf der Fahrt friedlich und weniger friedlich miteinander plaudern, was allmählich in Singen übergeht, was am Schluss in ein echtes Palaver zwischen der Israelin und der Palästinenserin übergeht, bei dem die Amerikanerin sich aus dem Staub macht.