Liebe im Film

Alle Kulturen verfügen über einen Schatz an Literatur zum Thema Liebe und Erotik, über Freuden und Leiden, Lust und Frust, Heilung und Erlösung, letztlich ddie Menschwerdung durch die Liebe.

Das Kino als Kunst den 20. Jahrhunderts steuert seinen gewichtigen Teil bei zu diesem Diskurs. Zwei herausragende Filme seien hier vorgestellt: «The secret life of words» von Isabel Coixet, die Parabel über die Erlösung aus schmerzlicher, erniedrigender Vergangenheit zweier Menschen durch ihre Begegnung und die dabei aufkeimende Liebe; «Peindre ou fair l'amour» von Arnaud und Jean-Marie Larrieu, die Parabel einer von vier älteren Menschen neu erweckten und entdeckten Erotik im Alter.

«The Secret Life of Words» - Liebe nach erlittener Brutalität

Ein einsamer rauer Fleck, irgendwo im Graublau des Atlantik: eine Ölbohrinsel, auf der ein schwerer Unfall passiert ist. Eine Frau kommt hierher, wo sonst nur Männer arbeiten: Hanna auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit. Sie ist als Krankenschwester angeheuert worden und soll Josef versorgen. Er hat sich bei der Explosion schwerste Verbrennungen zugezogen und bleibt vorübergehend blind. Während er intensiv das Gespräch mit ihr sucht, bringt sie kaum ein Wort über die Lippen. Erst nach langer Zeit kann sie sich öffnen und erzählt von den Ungeheuerlichkeiten, die sie und andere Frauen im jugoslawischen Bürgerkrieg erlitten haben. Die Tränen beider erst ermöglichen Nähe, Intimität und Liebe. Aus der Begegnung entsteht Liebe, die ihr Leben vielleicht wieder lebenswert macht.

Der Mann versucht es mit Worten, seine quälende Vergangenheit, die bis zum Schluss unaufgeklärt bleibt, zu verarbeiten. Die Frau erlebt die Intensität seiner Zuwendung. Der Dialog, der Sprechen und Zuhören beinhaltet, bringt sie zusammen, schafft Wärme, Vertauen, Zuneigung und Liebe. Die Worte des Titels «Das geheime Leben der Worte» weisen auf die existenzielle Kraft hin, die in der Sprache, im Dialog liegen kann.

«Peindre ou faire l'amour» - Lieben auch noch im Alter

Man trifft sich mit den immer gleichen Freunden zum Golfspiel, geht Pilze sammeln und lädt zum Braten ein. Das Leben von William und Madeleine, einem älteren Ehepaar, verläuft ohne Überraschungen. Sie geht ihrem Hobby, dem Malen, nach, während er sich mit der neuen Situation als Frühpensionierter abzufinden versucht. Herbst liegt nicht nur über der Natur, sondern auch über dem Paar, bis Madeleine sich in ein Landhaus verliebt und das Paar sich zum Umzug entschliesst. Die eingeschlafene Leidenschaft erwacht, als sich eine Freundschaft zum blinden Bürgermeister Adam und seiner Ehefrau Eva entwickelt, von denen eine eigentümliche Anziehungskraft ausgeht. Diese stiftet sie dazu an, sich aus dem ehelichen und gesellschaftlichen Korsett zu befreien und ihren Gefühlen und Trieben freien Lauf zu lassen. Nachdem ihr Haus niederbrennt, werden Adam und Eva von William und Madeleine mit offenen Armen aufgenommen.

Eine merkwürdige Spannung, ein Knistern liegt in der Luft, unausgesprochene erotische Erwartungen werden spürbar. Ein neues Begehren für die alten und die neuen Partner wird wach. Und damit entsteht eine ihr ganzes Leben umfassende paradiesische, vielleicht gelegentlich zu paradiesische fibrierende Sinnlichkeit und ansteckende Erotik.