Medien – aus dem Blickwinkel der Sozialbegleitung

Die eine Hälfte eines Kunstwerkes kommt vom Künstler, der Künstlerin, die andere vom Betrachter, der Betrachterin. Je nach meiner Absicht, meinem Hintergrund und meiner Persönlichkeit sagt mir ein Werk dies oder das. –

So können die Filme und die Ausstellung, auf die hier verwiesen wird, einfach erschüttern und provozieren. Oder sie können das Wissen von Sozialarbeiterinnen, Sozialpädagogen oder Sozialbegleiterinnen bereichern, ihre Erfahrungen mit Jugendfragen, Sterbebegleitung oder Körperarbeit erweitern und vertiefen.

Der Film «Thirteen» – wie schwierig kann doch Jugend sein!

Filme zeigt oft Situationen und Menschen wie durch ein Mikroskop. Vergrösserungen übertreiben, machen Unsichtbares sichtbar. Das trifft beim Film «Thirteen» von Catherine Hardwicke in hohem Masse zu. Sie schildert eine Mutter-Tochter-Beziehung, zwei dreizehnjährige Freundinnen (eine hat am Drehbuch mitgearbeitet) und eine Clique verwahrloster amerikanischer Kids mit einer distanzlosen, subjektiven Kamera, die niemanden ruhig lässt.

Die Regisseurin erforscht in ihrem fast dokumentarischen Spielfilm diese Szene: authentisch, ehrlich, präzis und leidenschaftlich. Der Film bietet allen, die sehen und hören, Gelegenheit zum Beobachten und Entdecken, zum Reflektieren und Diskutieren. Wie gehen heutige (amerikanische) Girls mit ihrer neuen, völlig offenen Frauenrolle bezüglich Drogen, Diebstahl, Sex, Konsum, Selbstverletzung um? Was läuft zwischen zwei Freundinnen in dieser deregulierten Welt ab? Wie wird die Mutterrolle wahrgenommen?

Der Film «Son frère» – wie Menschen doch enden können!

Thomas, der seit längerem an einer Blutkrankheit leidet, hat einen Rückfall. Unter diesen Umständen entscheidet er sich, den Kontakt zu seinem Bruder Luc, den er seit Langem nicht mehr gesehen hat und dessen Homosexualität ihm Probleme macht, wieder aufzunehmen. Während Thomas» Krankheit voranschreitet, überwinden die beiden ihre Entfremdung, kommen sich näher und werden sich ihrer Liebe füreinander bewusst. Gemeinsam stehen sie das Martyrium der Krankheit durch, bis Thomas den Kampf aufgibt und sie gemeinsam eine letzte Reise zum Hause ihrer Familie am Meer unternehmen.

Das ist «ein Film über Körper, über die Degradierung eines Körpers, die Transformation von Gesichtern, ein Film über Stille», meint der französische Regisseur Patrice Chéreau. Das Meer steht für das Leben und für den Tod. In zärtlicher Umarmung nimmt es Thomas zu sich. Das Melodrama zeigt den Gefühlskampf des Sterbenden in all seinen Facetten: Schock, Wut, Aggression, Resignation.

Die Ausstellung Body Extensions – Was Körper sein können!

Die Sehnsucht nach Erweiterung des Körpers oder der Wunsch nach mehr scheint allgegenwärtig. Angefangen beim Mascara, welches das Wimpernvolumen verdoppelt, bis hin zum Büstenhalter und zur Unterhose, welche die entsprechenden Rundungen auspolstern. Eine ganze Industrie steht für diese Optimierung des Körpers bereits. Der eigene Körper dient dem Selbst-Design, und es scheint, als bestätige sich hier die These von Arnold Gehlens «Mängelwesens Mensch» in der Praxis.

Die Ausstellung «Body Extensions. Wie wir den Körper erweitern» zeigt Beispiele aus Mode, Medien, Sport, Erotik, Kunst und Psychologie. Unter anderem mit einem aufschlussreichen Interview mit Andreas Locher, Psychologe, Model und Amateur-Bodybuilder.