Visages villages

Sanft bewusstseinserweiternd: Die 89‐jährige Agnès Varda hat sich für «Visages villages» mit dem 33‐jährigen JR zusammengetan, und entstanden ist eine heitere, verspielte Film-Collage zum Schmunzeln und Sinnieren. – Kinostart 31. Mai
Visages villages

Unterwegs mit ihrem Fotomobil entdecken die Nouvelle-Vague-Legende Agnès Varda und der Fotograf und Street-Art-Künstler JR Frankreich von der Provence bis zur Normandie und hinterlassen interessante künstlerische und berührende menschliche Spuren. Sie begegnen verschiedensten Personen, die sie porträtieren: einen Briefträger, die Serviererin einer Dorfbeiz, einen Fabrikarbeiter, die letzte Bewohnerin eines Strassenzugs im ehemaligen Bergbaugebiet, drei Frauen von Hafenarbeitern in Le Havre, eine Bäuerin, deren Ziegen ihre Hörner behalten dürfen, und sich selbst auf persönliche Weise. Diesen Menschen von der Strasse widmen sie ihre Kunst. Sie fangen Blicke und Gesichter auf überlebensgrossen Fotografien ein und integrieren sie auf originelle Weise in die Umgebung. Entstanden ist ein poetischer Dokumentarfilm voll Herzlichkeit, Fantasie und Humor. «Visages villages» verschmilzt die Leidenschaft zweier aussergewöhnlicher Talente mit den abenteuerlichen Elementen eines Roadmovies zu einer sanft bewusstseinserweiternden Film-Collage.

Olivier Père, der Generaldirektor von Arte France Cinéma, hat am 31. Januar 2017 mit Agnès Verda und JR ein Gespräch geführt, welches Qualitäten hat, dass ich es Ihnen, in der ganzen Länge, nicht vorenthalten möchte und deshalb von einer weiteren persönlichen Würdigung absehe.

Siehe auch auf dieser Website die Besprechung von Vardas letztem Film, «Les plages d'Agnès».

Am 30. Mai feiert die Filmemacherin ihren 90. Geburtstag, zu dessen Anlass das Filmpodium Zürich vom 19. Mai bis 30. Juni eine Varda-Retrospektive zeigt.

Agnès Varda und JR über ihr Projekt «Visages Villages»

Wie ist dieser Film entstanden? Warum wollten Sie ihn gemeinsam machen?

JR: Lass es uns von Anfang an erzählen.

Agnès Varda: Meine Tochter Rosalie fand, dass es schön wäre, wenn wir uns treffen würden. Die Idee hat uns sofort gefallen.

JR: Ich habe den ersten Schritt gemacht und Agnès in der Rue Daguerre besucht. Ich habe die legendäre Fassade ihres Hauses fotografiert, in dem sie seit 100 Jahren lebt. Und ich habe Fotos von ihr mit einer Katze gemacht.

AV: Deine Grossmutter ist 100, nicht ich. Noch nicht. Am nächsten Tag habe ich ihn in seinem Studio besucht, um Porträtaufnahmen von ihm zu machen. Mir wurde schnell klar, dass er seine Sonnenbrille nicht abnehmen würde.

JR: Am nächsten Tag und am Tag drauf haben wir uns zum Tee getroffen.

AV: Ich hatte sofort das Gefühl, dass wir etwas zusammen machen würden.

JR: Zuerst haben wir über einen Kurzfilm gesprochen ...

AV: ... einen Dokumentarfilm. Es schien klar, dass deine Leidenschaft, riesige Porträts von Menschen an Wände zu kleben, um sie zu würdigen, sowie meine Art, ihnen genau zuzuhören und ihre Erzählungen in den Vordergrund zu rücken, zu etwas führen würde.

JR: Und wir wollten gemeinsam auf diese Reise gehen. Weder Agnès noch ich hatten je zuvor mit einer anderen Person zusammen Regie geführt.

Warum haben Sie sich vor allem auf die Menschen in der Provinz konzentriert?

JR: Agnès wollte mich aus den Städten herausholen.

AV: Das stimmt, denn du bist wirklich ein urbaner Künstler. Und ich liebe das Land. Wir haben uns schnell für die Idee begeistert, in Dörfern zu drehen. Dort wollten wir die Menschen treffen, und so ist es auch geschehen. Wir sind in deinem unglaublichen Foto-Truck auf die Reise gegangen. Der Truck ist der Schauspieler in unserem Film, er setzt sich ständig in Szene.

JR: Ich arbeite seit Jahren mit diesem Foto-Truck, ich habe ihn für viele Projekte eingesetzt.

AV: Stimmt, aber dies hier war unser Projekt, und wir sind zusammen damit losgezogen. Auf jeden Fall hatten wir viel Spass dabei, im Truck durchs ländliche Frankreich zu reisen. Mal hierhin, mal dorthin.

Gab es einen Plan oder zumindest eine Reiseroute? Wie haben Sie einen Film entwickelt, der im Wesentlichen auf Zufällen, Begegnungen und Entdeckungen basiert?

AV: Manchmal kannte einer von uns jemandem im Dorf oder hatte eine spezielle Idee im Kopf. Dann sind wir der Sache erstmals nachgegangen. Wie immer bei Dokumentarfilmen – und ich habe eine Menge davon gemacht – hast du eine Idee, aber schon nach kurzer Zeit kommt der Zufall ins Spiel, wen man kennt und wen man trifft, und plötzlich beginnen sich die Dinge auf eine bestimmte Person oder einen bestimmten Ort zu fokussieren. Tatsächlich lieben wir den Zufall, er ist bei uns als Assistent mit aufgeführt.

JR: Das Leben haben wir auch mit engagiert, denn der Film ist ebenso die Geschichte unserer Begegnung. Wir haben uns auf der Reise bei unserem Projekt und durch die amüsante Erfahrung, als Duo zu arbeiten, kennengelernt. Ich beginne, Agnès besser zu verstehen, was sie sieht und wie sie es sieht, und sie versucht ebenfalls, meinen künstlerischen Prozess nachzuvollziehen. Wir haben viel geredet und Ideen ausprobiert. Dann haben wir uns einen abendfüllenden Film ausgemalt.

AV: Das war der Punkt, an dem Rosalie die Produktion übernahm.

JR: Du hast gesagt: «Lass uns das machen.»

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Der Film ist eine Reise durch Frankreich, aber auch eine Reise durch das Gedächtnis, sowohl das persönliche als auch das kollektive, von Arbeitern, Bauern und Dorfbewohnern.

JR: Wo immer wir auch sind, wir merken ziemlich schnell, ob wir eine Verbindung aufbauen können.

AV: Eine Sache, die ich an dir mag, ist, wie schnell du arbeitest. Sobald wir jemanden treffen, hast du schon eine Vorstellung davon, was wir mit ihm machen können. Zum Beispiel den Postboten, den ich kannte. Ich wollte, dass du ihn triffst. Mir gefallen Briefe und Briefmarken. Du kommunizierst vorwiegend über das Internet und bekommst 20.000 Likes, wenn du ein Bild postest, und hier hast du zugestimmt, diesen Postboten in einen Dorfhelden zu verwandeln, in einem gigantischen Format.

JR: Drei Stockwerke hoch.

AV: Er war stolz, so gross zu sein. Von dort fuhren wir nach Alpes-de-Haute-Provence.

JR: Und jemand hat uns von der Fabrik in der Nähe von Château-Arnoux erzählt.

AV: Das war Jimmy, den ich durch das lokale Kino kannte. Ich habe dort meinen Film «Sans toit ni loi» vorgestellt. Er hat uns die Fabrik gezeigt.

JR: Wir waren neugierig und sind hingefahren. Wir haben die Menschen dort getroffen und ein paar Ideen entwickelt.

AV: Industriegelände sind wunderschön. Und die Menschen, die dort arbeiten, haben ein gutes Herz.

JR: Sie haben sich bereitwillig für unser Gruppenfoto zur Verfügung gestellt. Bei einigen der Orte, von denen ich dachte, ich würde sie dir vorstellen, stellte sich heraus, dass du dort schon vor Jahren gewesen bist. Denn ich wurde von Fotos inspiriert, die du vor langer Zeit gemacht hast. Und die Collagen im Film sind die Früchte unserer Zusammenarbeit.

AV: Es sind oft meine Fotos, die du an die Fassaden bringst.

JR: Das stimmt.

AV: Zum Beispiel die grosse Ziege mit den Hörnern. Ich habe das Foto geschossen, als wir auf Locationsuche waren.

JR: Wir haben viel Zeit mit Patricia verbracht, der Frau, deren Ziegen ihre Hörner behalten dürfen, während die anderen sie nach der Geburt sofort ausbrennen lassen.

AV: Diese Frau hat eine grosse Leidenschaft für ihre Arbeit, ihre Ziegen und deren Hörner. Ihre Überzeugung war beeindruckend.

JR: Und im Norden haben wir auch einige eindrucksvolle Dinge erlebt.

AV: Die Bergwerke sind heute alle weg, aber wir haben eine Frau getroffen, Jeannine. Sie ist die letzte Bewohnerin einer Strasse, in der früher Minenarbeiter lebten. Sie sprach mit uns über ihren Vater, der in den Minen gearbeitet hatte. Auch andere ehemalige Minenarbeiter haben uns wunderschöne Geschichten über eine Welt erzählt, von der wir nur sehr wenig wussten. Es war spannend, sie mit solch einer Leidenschaft reden zu hören. Jeannine und ihre Geschichten haben uns sehr berührt.

JR: Du gehst wirklich in die Tiefe, wenn du Menschen interviewst. Ich war fasziniert davon, wie du diese Gespräche geführt hast.

AV: Du hast auch viel mit ihnen gesprochen.

JR: Natürlich. Das habe ich schon immer geliebt bei meinen Projekten, so wie ich es immer bei dir in deinen Filmen beobachtet habe, mit deiner eigenen speziellen Art, die so fein und behutsam ist, und auch feministisch.

AV: Ah, ich bin in der Tat Feministin!

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Frauen sind in der Tat sehr präsent im Film.

AV: Ja, JR und ich waren uns einig, dass es wichtig ist, Frauen zu Wort kommen zu lassen.

JR: Es war Agnès' Idee. Als ich ihr all die Fotos der Hafenarbeiter von Le Havre zeigte, sagte sie: «Wo sind die Frauen?» Also habe ich die Hafenarbeiter zurückgerufen und gefragt: «Können eure Frauen zum Hafen kommen?» Sie sagten: «Hör zu, sie waren noch nie zuvor hier, aber vielleicht ist das die Gelegenheit.» Es war ziemlich verrückt, dass sie den Hafen durch dieses Projekt kennengelernt haben.

AV: Drei interessante Frauen, die etwas zu sagen hatten. Es war grossartig. Ich war glücklich, sie im Rampenlicht zu sehen, «für das eine Mal», wie eine von ihnen sagte. Die Hafenarbeiter haben uns geholfen und riesige Container für uns bereitgestellt, die wir nutzen konnten. Wir haben sie wie Legosteine aufeinandergestellt, um Türme zu bauen, Totems. Das muss man einfach gesehen haben, Worte können das nicht beschreiben. Was für ein Abenteuer!

JR: Wir sollten erwähnen, dass sich die Hafenarbeiter in einem grossen Streik befanden. Ich bin immer noch überwältigt, dass sie der Kunst trotzdem einen Ehrenplatz eingeräumt haben.

AV: Das ist der Gedanke, dass Kunst für jeden da ist. Die Hafenarbeiter haben zugestimmt, uns zu helfen, weil sie an einem Kunstprojekt teilhaben wollten.

JR: Einer der Fabrikarbeiter sagte: «Kunst soll uns überraschen!» Wir haben ihren Alltag gestört, aber sie haben uns akzeptiert. Es gab zu diesem Zeitpunkt viele ernste und komplexe Ereignisse in Frankreich und auf der ganzen Welt, aber wir waren ganz auf unser Projekt fokussiert, und die Menschen, denen wir begegnet sind, haben das verstanden.

AV: Ein bescheidenes Projekt in einer Zeit weitverbreiteten Chaos'. Den Arbeitern hat auch unsere gute Laune gefallen und die Art, in der du mich aufgezogen hast. Wir waren darauf bedacht, wir selbst zu sein und sie in unser Projekt miteinzubeziehen.

Sie haben eine starke Verbindung entwickelt zu den Menschen, die Sie getroffen haben. Sie erinnern sich ausserdem an die Verstorbenen und gedenken ihrer auf Ihrer Reise: Nathalie Sarraute, Guy Bourdin, Cartier-Bresson.

AV: Ja, ich kannte sie. Sich ihrer zu erinnern, bedeutet, sie zurück in die Gegenwart zu holen. Durch Zufall kam ich an Nathalie Sarrautes Haus vorbei, und das hat mich glücklich gemacht, aber unser Interesse galt dem Bauern am Ende der Strasse, der riesige Flächen ganz allein bewirtschaftet.

JR: Ein anderer Ort, an dem wir gefilmt haben, war ein verlassenes Dorf. Dieser Ort hatte eine Vergangenheit und wir hatten unseren Foto-Truck. Wir haben dort eine Party mit den Einheimischen veranstaltet.

AV: In dieser Nacht haben wir Hunderte Gesichter an den Wänden angebracht. Am nächsten Tag sind wir weitergezogen. Wir haben erfahren, dass das Dorf inzwischen abgerissen wurde. Alles verändert sich. Das habe ich immer an Dokumentarfilmen geliebt. Du verbringst ein paar Tage mit einigen Leuten, freundest dich an, verlierst den Kontakt, genau in der Art, wie wir sie in grossen kurzlebigen Bildern festgehalten haben, die wieder von den Wänden verschwinden werden. Wir wissen, dass diese Momente magisch sind. Der Moment, in dem man die Menschen trifft, der Moment, in dem wir filmen, die Bilder anbringen et voilà! Ich liebe das.

 

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Wie lief der Dreh ab?

AV: Wir haben ein oder zwei Trips gemacht und danach eine Pause eingelegt, denn ich bin nicht mehr fit genug, um acht Wochen am Stück zu drehen und unterwegs zu sein. Wir haben zwei bis vier Tage pro Monat gedreht.

JR: Ich denke, das hat gut funktioniert. Es hat uns erlaubt, die Dinge zu durchdenken, zu reflektieren und zu sehen, wohin uns die Reise weiterführt. Wir begannen mit dem Schnitt und haben Stunden darüber geredet, wo es hingehen sollte und auf welche Art und Weise. Ich bin eher der Improvisationstyp, nach dem Motto: «Lass es uns versuchen und schauen, ob’s funktioniert.» Agnès dagegen denkt die ganze Sequenz zu Ende. Das hat die Dynamik unserer Zusammenarbeit bestärkt.

AV: Zwischen uns liegen einige Generationen, aber tatsächlich haben wir überhaupt nicht daran gedacht, obwohl du die Treppen schneller erklimmen kannst als ich. Wir haben füreinander Modell gestanden. So hat es sich für mich angefühlt, denn beim Filmen, wie du arbeitest, wie du die Gerüste hochkletterst, bekommen wir auch ein Bild von dir und deiner Arbeit. Und du warst auch an mir interessiert, an meinen Augen, die nachlassen.

JR: Richtig, wir haben versucht zu zeigen, was mit deinen Augen passiert. Ich wollte für dich sehen, besser als du, die du verschwommen siehst, vor allem in der Ferne. Ich habe deine Augen ganz nah fotografiert und sie aus der Ferne gezeigt. Und deine Zehen auch!

AV: Oh ja, meine Zehen. Ich habe mich sehr über deine Ideen amüsiert: Wie du mich permanent aufgezogen hast, aber auch die Art, in der du Bilder unserer Freundschaft erschaffen hast.

JR: Ich möchte eine Sache nicht unerwähnt lassen, die mir wichtig erscheint: Jeder, den wir auf unserer Reise getroffen haben, hat mich etwas gelehrt. Und umgekehrt.

AV: Als wir dem Automechaniker von den Ziegen ohne Hörnern erzählt haben, meinte er: «Das ist erstaunlich. Das wusste ich nicht. Davon werde ich anderen erzählen.»

JR: Von einer Person zur anderen, von einer Idee zur nächsten. Tatsächlich ist dieser Film eine Collage.

Der ganze Film ist eine Collage. Mit JR, der die gigantischen Fotos an die Wände bringt, und Agnès, die die filmische Collage mit Reimen und visuellen Rätseln umsetzt.

AV: Mir gefällt die Vorstellung, den Schnitt als eine Art Collage zu begreifen, die mit Worten und Bildern spielt, die einen gefangen nehmen, sodass wir nicht sagen müssen: «1. Kapitel, 2. Kapitel». Manchmal stelle ich mir die Montage als eine Reihe von Worten vor, die sich reimen: «visages villages», «collages partage» …

... und rivage. Erzählen Sie uns von diesem Bunker am Strand.

JR: Ich bin oft in der Normandie, um am Strand Motorrad zu fahren. Dort habe ich eine Stelle entdeckt, an der ein deutsches Blockhaus, ein Bunker aus dem Krieg, von der Klippe gefallen ist und jetzt aus der Mitte des Strandes emporragt. Ich habe es gegenüber Agnès erwähnt, aber sie schien nicht sonderlich interessiert. Eines Tages sagte ich ihr den Namen des Dorfes und es machte Klick. Sie rief: «Warte, ich kenne Saint-Aubin-sur-Mer, ich war dort in den 1950ern mit Guy Bourdin.» Ich fuhr mit ihr dorthin und sie zeigte mir Guy Bourdins Haus in der Nähe. Sie zeigte mir auch die Fotos, die sie damals von ihm gemacht hatte. Wir gingen gemeinsam den Strand entlang und sie sagte: «Warum platzieren wir sein Foto nicht hier?» Das Anbringen des Fotos war sehr strapaziös, denn wir mussten uns beeilen. Der Bunker ist riesig und die Flut kam schnell näher.

AV: Ich hatte das Foto des sitzenden Guy Bourdin gemacht, aber es war deine Idee, ihn in gekippter Stellung anzubringen und so den Kriegsbunker in eine Wiege für einen jungen Mann zu verwandeln. Ich war sehr bewegt davon, wie die Bedeutung des Fotos sich veränderte, zu was es für kurze Zeit wurde. Dann pssst, die Flut kam und spülte alles fort.

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Dieses Foto an diesem besonderen Ort ist für mich die perfekte Illustration Ihres Projekts: Wie es entstanden ist, wie es sich entwickelt hat, und wie es verschwunden ist.

JR: Das ist es, was der Film erzählt, gemeinsam mit unserer Freundschaft, die während dieser Erfahrungen gewachsen ist. Das, was mit deinen Augen passiert, hat einen Eindruck bei mir hinterlassen. Es hat mich aufgewühlt und wurde auch das Thema des Films.

AV: So weit würde ich nicht gehen, aber es stimmt, dass «Augen und der Blick» wichtig für unsere Arbeit sind, und in unserem Film. Du siehst klar, was meinen verschwommenen Augen hilft und, paradoxerweise, sind deine Augen immer hinter dunklen Gläsern versteckt. Wir überraschen uns gegenseitig.

Das Ende des Films hat mich überrascht.

AV: Das ist eine Überraschung, die wir erlebt haben und ich möchte sie nicht kommentieren.

JR: Als wir in den Zug stiegen, wusste ich nicht, wohin Agnès mich führen würde. Das war das Spiel. Dann haben wir aufgehört zu spielen und alles wurde real, ein Abenteuer. Und dann schauten wir auf den Genfer See …

AV: … mit seinem gnädigen Wasser, das ist wahr, und das ist der Moment, an dem wir den Film verlassen.

Abdruck mit freundlicher Erlaubnis des Verleihs Filmcoopi

Regie: Agnes Varda, Produktion: 2017, Länge: 89 min, Verleih: Filmcoopi