Neuheiten

Ausgabe Newsletter 221-2026
La Hija Cóndor
Gebären zwischen Tradition und Fortschritt: Hoch oben in den majestätischen Anden wächst Clara in einer indigenen Gemeinschaft auf und begleitet ihre Ziehmutter zu Hausgeburten. Mit ihrer schönen Stimme und rituellen Gesängen hilft sie, neues Leben auf die Welt zu bringen. Während sie tief in den Ritualen verwurzelt ist, spürt sie zugleich die Sehnsucht nach einem Leben in der Stadt. Als Ärzt:innen das alte Wissen zunehmend infrage stellen und für Geburten in Kliniken werben, gerät Clara in einen Zwiespalt. Mit überwältigenden Tableaus erzählt der Bolivianer Olmos Torrico in «La Hija Cóndor», seinem zweiten Spielfilm, von Tradition, Identität und Mut, der eigenen Stimme zu folgen. Ab 2. Juli im Kino
H IS FOR HAWK
Fürs Leben engagiert: Nach dem Tod ihres geliebten Vaters, der ihr die Erkundung der Natur und die Betrachtung der Vögel beigebracht hatte, beschliesst Helen, einen Habicht aufzuziehen. Im Lauf ihrer Annäherung an das Tierleben entfernt sie sich vom Menschenleben. Basierend auf dem autobiografischen Besteller «H IS FOR HAWK» von Helen Macdonald erzählt die Regisseurin Philippa Lowthorpe mit emotionaler und visueller Wucht eine Geschichte, die herausfordert, eigene Antworten und auch Fragen zu suchen. Ab 23. Juli im Kino
Becaària
In einem Tessiner Dorf: Der 16-jährige Mario steht irgendwo zwischen Jugend und Erwachsen. In der Schule, im Leben und mit dem Vater ist vieles im Wanken. Für den Sommer wird er deshalb in die Berge geschickt, um in der Landwirtschaft zu arbeiten. Dort begegnet er einer Welt, in der die Natur den Rhythmus vorgibt, entdeckt Verantwortung, neuen Lebenssinn und trifft Prisca, seine erste Liebe – Erfahrungen, die seine Sicht und Zukunft nachhaltig verändern. Das alles und mehr erzählt Erik Bernasconis Film «Becaària» (Faulpelz) unterhaltsam und einfühlsam. Ab 20. August im Kino
L’Inconnu de la Grande Arche
Eine Vision unter Druck: Als der französische Präsident François Mitterrand 1983 den Namen des Gewinners eines hochdotierten Architekturwettbewerbs bekannt gibt, ist das Erstaunen gross: Niemand kennt den 53-jährigen dänischen Architekten. Fortan ist dieser im Pariser Viertel La Défense verantwortlich für den Bau des symbolträchtigen Gebäudes La Grande Arche, auf der Achse von Louvre und Arc de Triomphe. Der Film «L’Inconnu de la Grande Arche» von Stéphane Demoustier zeigt umfassend und tiefgründig die Komplexität der Realität und die Unwägbarkeiten der Politik bei der Realisierung des grossen Werkes. Ab 9. Juli im Kino
Ausgabe Newsletter 220-2026
Cosmos
Eine Welt aus der Sicht der Mayas: In einem vergessenen Dorf in Yucatan kreuzt die 68-jährige Lena, eine gebildete, einsame Witwe, den Weg des 62-jährigen Mayas Leon, der die Geheimnisse der Natur und der Geister hütet. Trotz ihrer Unterschiede entwickelt sich allmählich zwischen ihnen eine tiefe Verbindung, die Sinn stiftet. Ein philosophisches Märchen über das Alter und die essenzielle Kraft der Liebe. Der Westschweizer Regisseur Germinal Roaux schenkt uns mit «Cosmos» ein stilles, meditativ Meisterwerk wie von einer anderen Welt. Ab 24. Juni im Kino
Love Life
Liebe und Leben, japanisch: Eine Frau wohnt mit Mann und Sohn in einer Wohnung gegenüber dem Haus der Schwiegereltern, die ihre Ehe nie ganz akzeptiert haben. Als sie die Existenz einer ehemaligen Verlobten ihres Mannes entdeckt und der leibliche Vater ihres Buben auftaucht, beginnt «Love Life» des Regisseurs Koji Fukada sein aufreibendes und wunderbares Wechselspiel der Gefühle und Handlungen über das Leben, die Liebe, den Tod.
Ausgabe Newsletter 219-2026
A voix basse
Leben im Flüsterton: Lilia hat sich in Paris ein eigenes Leben aufgebaut, fern von den Erwartungen ihrer Familie in Tunesien. Als sie zur Beerdigung ihres Onkels ins Elternhaus zurückkehrt, scheint die Zeit stillzustehen, und vieles bleibt unausgesprochen. Der Tod wirft Fragen auf, die niemand klären will. Je mehr sie nach Antworten sucht, desto tiefer gerät sie in ein Netz aus Schweigen und rätselhaften Andeutungen. Davon erzählt die Regisseurin Leyla Bouzid in ihrem Film «À voix basse». Ab 16. Juli im Kino
Solomamma
Muttersein ohne Partner: Edith, die Allein-Mutter, entdeckt die Identität des Samenspenders ihres fünfjährigen Sigurd, recherchiert, bis eine Verbindung entsteht, sie sich in Lügen verstrickt und ihr fragiles Leben ins Wanken bringt. «Solomamma», der Spielfilm der norwegischen Regisseurin Janicke Askevold, kann als banales Boulevardstück gelesen werden oder als tiefschürfendes Psychodrama über Frauen-, Männer-, Mutterrollen, Sexualität und Verantwortung, was ich hier versuche. Ab 11. Juni im Kino
Ausgabe Newsletter 218-2026
La Beauté de l’âne
Aufleben im Erinnern: Die albanisch-schweizerische Regisseurin Dea Gjinovci kehrt mit ihrem Vater Asllan, der seit sechzig Jahren in Genf lebt, in sein Heimatdorf Makermal im Kosovo zurück, ein Dorf, das im Krieg zerstört wurde, von dem aber Erzählungen und Erinnerungen ein Weiterleben bieten. «La Beauté de l’âne», der poetische Dokumentarfilm darüber, taucht tief ein in die Vergangenheit dieser Menschen und wohl auch unser aller Menschsein. Ab 21. Mai im Kino
Palestine 36
Aufstand gegen Unterdrückung: 1936 steht Palästina am Beginn eines breiten Widerstandes gegen die britische Mandatsmacht, einer rasante Zunahme jüdischer Einwanderer und damit eines hoch komplizierten Konfliktes und eines historischen Wendepunktes, der das Schicksal des palästinensischen Volkes für immer prägen wird. Die palästinensisch-amerikanische Regisseurin Annemarie Jacir hat in ihrem Langspielfilm «Palestine 36» ein grossartiges, der Komplexität des Themas angemessenes Epos geschaffen über eine Leidensgeschichte, die leider nicht beendet ist. Ab 21. Mai im Kino
Ausgabe Newsletter 217-2026