Neuheiten
- L'Engloutie
- Leben in Zwischenwelten: Im Jahre 1899 kommt Aimée, eine junge Lehrerin, in stürmischer Nacht in einem verschneiten Dorf in den Hautes-Alpes an. Obwohl ihr die Bewohner misstrauen, ist sie fest entschlossen, mit ihrem Wissen Licht ins Dunkel der Kinder zu bringen. Während sie sich in das Leben der Gemeinschaft einfügt, breiten sich bei ihr Verwirrung und Einsamkeit aus, bis eines Tages Bewohner von einer Lawine verschüttet werden. Mit «L'Engloutie» hat Louise Hémon ein filmisches Gedicht geschaffen, das tief bewegt und herausfordert. Ab 12. Februar im Kino
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Newsletter 210-2026
- Qui vit encore
- Aus der Hölle von Gaza geflohen: Tief bewegend und mit stiller Wucht steigert sich der kraftvolle und minimalistische Dokumentarfilm «Qui vit encore» des Schweizer Filmemachers Nicolas Wadimoff zur traurigen Litanei über eine humanitäre Katastrophe. Eine Landkarte auf dem Boden skizziert die Umrisse von Gaza, wo die Akteure des Films einst wohnten und von wo sie jetzt erzählen: Palästinenserinnen und Palästinenser, die aus dem zerstörten Gazastreifen nach Ägypten geflohen waren. Der Film hat am 28. Januar 2026 an den 61. Solothurner Filmtagen den Prix de Soleure gewonnen. Meine Gratulation!
- Mother
- Die Frau hinter der Ikone: Kalkutta, 1948. Schwester Teresa steht vor einer wichtigen Entscheidung: Sie will das Kloster verlassen, um einen eigenen Orden zu gründen. Bis zu diesem Datum bringt jedoch ihre Mitschwester Agnieszka alles durcheinander und stürzt sie in tiefe Zweifel. Die nordmazedonische Regisseurin Teona Strugar Mitevska dringt in ihrem Spielfilm «Mother» in Spannung erfüllten sieben Tagen dorthin vor, wo Religion und Kirche, Sinn und Regeln sich widersprechen. Ab 22. Januar im Kino
- Bauernkrieg
- Von der Ballade zum Krieg und weiter: 1998 hat Erich Langjahr zum 150. Geburtstag der modernen Schweiz, als zweiten Teil einer Trilogie, den Dokumentarfilm «Bauernkrieg» realisiert, 2025 kommt dieser, restauriert und digitalisiert, als Reprise in die Kinos. Der Film war damals eine engagierte filmische Auseinandersetzung mit dem GATT-Beitritt der Schweiz und hat heute nichts von seiner Aktualität verloren. Ab 29. Januar im Kino
- Silent Friend
- Ein Baum und seine Freunde: Im botanischen Garten der mittelalterlichen Universitätsstadt Marburg wird ein majestätischer Ginkgobaum stiller Zeuge tiefgreifender Veränderungen im Leben dreier Menschen. Die hochdekorierte ungarische Regisseurin Ildikó Enyedi schuf mit «Silent Friend» ein geheimnisvolles, tiefsinniges Gleichnis über das Sich-Näher-Kommen. Ab 22. Januar im Kino
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Newsletter 209-2025
- Jeunes mères
- In einem Heim für alleinerziehende Mütter: Hier leben Jessica, Perla, Julie, Naïma und Ariane, jede von schwieriger Vergangenheit, Armut, familiären Konflikten und gesellschaftlichen Hürden geprägt. Trotz der herausfordernden Umstände teilen sie den gemeinsamen Traum, ihren Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen. Zum ersten Mal präsentieren die Meister des sozialen Kinos, die belgischen Brüder Jean-Pierre und Luc Dardenne, eine Ensemblegeschichte. Für das Sozialdrama mit fünf jungen Müttern gewannen sie in Cannes den Preis für das beste Drehbuch und den Preis der Ökumenischen Jury. Ab 15. Januar 2026 im Kino
- Der Mann auf dem Kirchturm
- Eine Schweizer Familienchronik: «Mein Grossvater war der Kaminfeger des Dorfes, und als Dachdecker liebte er es, auf Kirchtürmen zu arbeiten. Für mich als Bub war er ein Glücksbringer und starker Mann, ich eiferte ihm nach und wollte mehr erfahren über seine Herkunft. Doch sein Sturz vom Dach veränderte alles.» Mit dem Dokumentarfilm «Der Mann auf dem Kirchturm» taucht der Innerschweizer Filmemacher Edwin Beeler tief ein in die Geschichte des Grossvaters, seiner Familie und des Dorfes: bewegend und tiefsinnig. Ab 10. Januar 2026 im Kino
- Hiver à Sokcho
- Auf der Suche nach Identität: In Sokcho, einer Kleinstadt am Meer Südkoreas, führt die 23-jährige Soo-Ha ein Leben zwischen der Mutter, einer Fischhändlerin und ihrem Freund. Die Ankunft des Franzosen Yan Kerrand in der Pension, in der sie arbeitet, weckt Fragen zu ihrem Selbstverständnis: Sie beobachten und prüfen sich gegenseitig und knüpfen zerbrechliche Verbindungen. Regisseur Koya Kamura schuf mit seinem ersten Spielfilm «Hiver à Sokcho» darüber einen Hymnus auf das, was menschliche Identität ist und sein kann. Ab 29. Januar 2026 im Kino
- Des preuves d'amour
- Eine neue Mutterschaft: Céline erwartet die Ankunft ihres ersten Kindes, ist aber nicht selbst schwanger. In drei Monaten wird ihre Frau Nadia ihre Tochter zur Welt bringen. Wir schreiben das Jahr 2014, und Frankreich hat gerade ein Gesetz verabschiedet, das gleichgeschlechtlichen Paaren die Eheschliessung ermöglicht. Céline bereitet sich darauf vor, nicht-biologische Mutter zu werden, eine Rolle, die ihr noch nicht anerkannt wird, während sie gleichzeitig durch die Herausforderungen der Schwangerschaftsbegleitung und den administrativen Wahnsinn navigiert. Der Spielfilm von Alice Douard schafft ein Bild von Mutterschaft, das fehlte: herausfordernd und wichtig.
- Kontinental '25
- Eine Frau in der Krise: Der zwischen Drama und Komödie oszillierende Spielfilm «Kontinental ’25» erzählt von einer Gerichtsvollzieherin, die in langen Gesprächen ihr Schuldgefühl am Tod eines Obdachlosen zu verarbeiten sucht. Damit zeigt der Rumäne Radu Jude, wie schwierig es ist, in einer verrückten Welt nicht verrückt zu werden. Ab 27. November im Kino
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Newsletter 208-2025
- Franz K.
- Ein Film über Kafka, wie von ihm gemacht: Die 76-jährige polnische Regisseurin Agnieszka Holland hat mit «Franz K.» ein Meisterwerk über den Jahrhundertdichter, gleichzeitig ein Selbstporträt und ein Pamphlet über unsere Welt geschaffen und löst vielleicht auch bei uns Selbstreflexionen aus.
- It was just an Accident
- Hinunter ins Foltergefängnis: Mit einem harmlosen Zwischenfall beginnt ein Ereignis sich zu entwickeln, das zunehmend ausser Kontrolle gerät. Dahinter verbirgt sich eine Geschichte, die als Komödie daherkommt, im Grunde aber ein verzweifelter Aufschrei ist, der die Unmenschlichkeit des Islamischen Gottesstaates entlarvt. Der Iraner Jafar Panahi hat «It was just an Accident» in der kurzen Zeit, während der er nicht im Gefängnis war, realisiert. Ab 30. Oktober im Kino