Private

Vom Psycho-Terror eines aktuellen Krieges

Fast täglich vernehmen wir von Krieg und Terror im Nahen Osten, sehen mordende Truppen und mordende Selbstmörder, hören von Ausgangssperren und vom Leben in Lagern. Doch was in den Seelen dieser Menschen abläuft, davon wissen wir nur wenig. «Private», der erste Spielfilm von Saverio Costanzo, gibt uns Einblick, erschütternd und aufklärend zugleich. – Aktueller Geschichtsunterricht ab der Oberstufe.

Mohammad Bakri unterrichtet englische Literatur und lebt mit seiner fünfköpfigen Familie im Niemandsland zwischen einem palästinensischen Dorf und einem israelischen Militärstützpunkt, exakt in der Schusslinie der verfeindeten Parteien. Die israelische Armee beschliesst, das strategisch wichtige Haus zu besetzen. Muhammad weigert sich auszuziehen und ist, als Anhänger der Gewaltlosigkeit, überzeugt, dass eine Lösung gefunden werden kann. Da die Familie im Haus bleibt, nimmt man eine beinahe unvorstellbare Zonenaufteilung vor: Der obere Stock wird zum israelischen Militärlager, den unteren bewohnt die palästinensische Familie, die weiterhin ihren alltäglichen Verpflichtungen nachgehen darf, die Nacht aber im Aufenthaltsraum eingesperrt verbringen muss.

Es wird eine ungewöhnliche Lebensgemeinschaft auf Zeit. Die einzelnen Familienmitglieder reagieren unterschiedlich auf die Anwesenheit der Besatzer. Währen der Pazifist Mohammad etwa durch reine Anwesenheit passiven Widerstand leisten will, ist die älteste Tochter Mariam nicht bereit, sich an das Arrangement zu halten. Die permanente Auseinandersetzung mit den Eindringlingen erweist sich für die Familie als harte Prüfung: pendelnd zwischen Verzweifeln und Hoffen, Aufbegehren und Verstummen. – Dass palästinensische und israelische Schauspieler die Rollen der Besatzer und der Besetzten spielten, macht den Film noch authentischer.

Betroffenheit, die weh tut

Das Doku-Drama «Private» erzählt von einer kleinen Welt, in der das Private politisch und das Politische privat geworden ist. Es basiert auf einer wahren Begebenheit und wurde im Jahre 2004 am Filmfestival Locarno mit dem Goldenen Leoparden für den besten Film ausgezeichnet.

Wer selbst schon an der Mauer gestanden, die die beiden Völker trennen soll, wer Gewehre auf sich gerichtet sah, wer ähnliche Geschichten erzählt bekam, während wie im Film unbemannte Aufklärungsflugzeuge den Nachthimmel durchpflügten und mit Angst erfüllten, muss es bezeugen: So ist es! Leider.